Liebe Leserinnen, liebe Leser,
Müde? Während sich die Gitarre weitgehend aus einem der großen Musikfestivals im Süden der Republik (Rheingau) verabschiedet hat, dort die sechs Saiten wieder einmal nur noch von Pepe Romero - von wem sonst? - vertreten werden und diese auch bei einigen anderen traditionellen Veranstaltungen eher seltener glänzen, wird die Cellistin Sol Gabetta fast überall herumgereicht, spielt Bach-Suiten (die doch angeblich unser „akkordisches Instrument“ (Zitat) eigentlich viel besser bewerkstelligt) und andere Sachen, summt zuweilen zu ihrem betörenden Vortrag und verströmt pures Glück!
Dabei ist der Terminkalender voller Gitarrenklang und -aktivitäten. 2013 ist das Jahr der Gitarre, denn sie wurde als Instrument für diese 360 Tage auserkoren. Ein Triumph - oder eine Chance? Wir freuen uns jedenfalls auf Vielsaitiges, das vielleicht auch einmal die engen monogamen Festivalgrenzen der Sechssaitigen überschreiten möge, um der Welt und den Musikmenschen eine Botschaft zu verkünden.
So wie es etwa eine Musikgruppe geschafft hat, die mit viel Gesang und „Gitarrenspiel in Reinkultur“ (d.h. auf das Wesentliche konzentriert) sich in 30 Jahren von der Bürger verschreckenden Punk-Truppe zur Kultband gemausert hat. Wer immer noch fragt, warum sich die Gitarre so großer Beliebtheit erfreut, war keiner der 750.000 Zuschauer, die am 8.12.2012 auf NDR das TV-Porträt »Nichts als die Wahrheit - 30 Jahre Die Toten Hosen« um den Sänger Camino gesehen hat. Drei Akkorde in 30 Jahren? Aber nein, In ihrem Songbook »Das Alte und das Neue Testament« (Abb.) findet sich im Anhang eine Grifftabelle mit mehr als 300 (!) Akkorden!
Ach wie schön sind Klischees! Wenn wir einen der renommiertesten Gitarrenbauer in der letzten Ausgabe in seine „dunkle Werkstatt“ in der 189 rue Ordener in Paris versetzt haben, so haben wir Robert Bouchets lichtes Atelier wohl mit einer mystischen Sonnenbrille gesehen...
Die Artikelserie „Die Spanische Gitarre in Paris“ Teil III musste diesmal aus aktuellem Anlass der Story eines weiteren bedeutsamen Namens des Gitarrenbaus weichen. Lesen Sie die eingeschobene „Geschichte einer Gitarrenbauerwerkstatt“ mit Namen FLETA.
Wer die Fortsetzung der Flamenco-Reihe sucht, muss leider auch auf die nächste Ausgabe vertröstet werden, denn der Autor ist augenblicklich wegen Recherchen unterwegs. Trösten Sie sich also mit einer neu beginnenden Folge über das Phänomen „Improvisation“, dass einmal aus ganz anderer Sicht - und nicht mit einer „Gebrauchsanleitung“ - beleuchtet wird.
„Sein Leben für die Zupfmusik ging zu Ende“. Die traurige Nachricht erreichte uns während der Endredaktion. Joachim Trekel (24. November 1936 - 26. Februar 2013) starb mit 76 Jahren in Hamburg, und wir finden es tröstlich, dass ein Leser mit einem spontanen „memoriam“ reagiert hat.
In aller Stille,
Ihr
Peter Maier