Gitarre aktuell · gitarre-foundation hamburg

 

Vorwort Gitarre aktuell 117 - II/12

 

 

Liebe Leserinnen, liebe Leser,
Spanien gewinnt immer! Damit sind nicht die Fußballmeisterschaften Europas und der Welt gemeint (die haben sie nach dem letzten Stand der Dinge sowieso), sondern Programme auf Tonträgern, die ohne iberische oder lateinamerikanische Beteiligung nicht auszukommen scheinen. Aber... war das nicht immer so? In der CD-Abteilung dieser Ausgabe finden Sie Beispiele mit Überraschungen.
                Eng an dieses Thema gelehnt steht noch einmal Gitarrenmusik im Blickpunkt, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts von deutschen Gitarristen-Komponisten unter dem Einfluss der Gastspiele spanischer und italienischer Virtuosen sowie deren Repertoire geschrieben worden ist. Granados, Albéniz und andere waren die Vorbilder, aber vielmehr noch Tárrega mit seinen romantischen Piecen und den kleinen gitarregerechten Formen. Kein Wunder also, dass man bei so viel Wertschätzung stilsicher einen Walzer ersann, ein »Recuerdos de Córdoba« mit großem Tremolo entwarf oder einen zackigen Tango schuf. Wer die anderen Werke, die es darüber hinaus noch gibt, nicht „sehen“ möchte, versäumt etwas, denn man suchte damals durchaus nach neuen Wegen!
                Im frühen 20. Jahrhundert etablierte sich die Lautengitarre (oder Gitarrenlaute, Zupfgeige u.a., Abb.) und wurde zum Volksinstrument der Wandervogelbewegung, womit nicht selten ein unmittelbarer historischer Bezug beider Instrumente suggeriert wurde. Aber es gab ernsthafte Lautenisten wie etwa Walter Gerwig (1899-1966), der zwar auch Gitarre gelernt hatte, aber besonders mit einem nennenswerten Lautenrepertoire in Erscheinung getreten ist. Eine größere Öffentlichkeit erreichte Julian Bream mit seinen „Doppelkonzerten“ auf Gitarre und Laute, indem er im Bewusstsein des Hörers die beiden Instrumente neu definierte. Auch Narciso Yepes, von dem in dieser Ausgabe in einem anderen Zusammenhang die Rede ist, hatte eine Lauten-Edition bei DGG herausgebracht mit Werken eines Komponisten, der beide Instrumente unbedingt und immer wieder verbindet: J.S. Bach.
                Aber die Laute ist noch aus anderem Grunde in dieser Ausgabe präsent: Gitarrist & Lautenist Konrad Ragossnig beging in diesem Jahr einen runden Geburtstag, und im Herbst wird es ein Lautenfest auf der Musikburg Sternberg geben, zu dem man rund um die Laute vieles erfahren kann und zu dem ausdrücklich auch Gitarristen und Musikliebhaber eingeladen sind!

                Viel Historie, werden Sie vielleicht sagen. Aber: What’s new? Manchmal verbirgt sich Großes in kleiner Verpackung. Und wenn Sie nach den eingangs „verordneten“ spanischen Recitals Lust auf großformatiges haben, bleiben Sie in der Plattenabteilung, um die Alternativen zu Rodrigos „Aranjuez“ zu bestaunen. Neue Klänge mit Werken für Gitarre und Orchester gibt es ja nicht alle Tage!
Wer lieber selbst zum Instrument greift, wird vielleicht etwas in der Notenabteilung finden, eine Nachlese zur Frankfurter Musikmesse mit einer (in der nächsten Ausgabe fortzusetzenden) Auswahl Gitarrennoten aus den Verlagsangeboten der diesjährigen Aussteller.
Hier ist noch eine Empfehlung zum Thema und für alle, die ein Herz haben: »Corazón Español«!

Ihr
¡Peter Maier!